Henry Gawlick

Henry Gawlick
Henry Gawlick

In vier mecklenburgischen Dörfern - in Buchholz, Zepkow, Wredenhagen und Tarnow - wird die einst weit verbreitete Tradition kostümierter Heischeumzüge am Heiligen Abend bis heute gepflegt. Diesem bemerkenswerten immateriellen Kulturerbe Mecklenburgs folgt Henry Gawlick sorgfältig und unterhaltsam bis zu seinen jahrhundertealten Wurden. Das vorliegende, reich bebilderte Buch - mit einem Kapitel über die Wandlungen der Gabenbringer zum Weihnachtsmann - ist den heute noch aktiven Knickacksen, Klapperdacksen und Schimmelriedern gewidmet, verbunden mit mit der Hoffnung, dass ihr jahrhundertealter Weihnachtsbrauch noch lange fortleben wird.

Rugklaas - Kinnjes - Schimmelrieder

Rugklaas - Kinnjes - Schimmelrieder
Rugklaas - Kinnjes - Schimmelrieder

Die heute übliche Bezeichnung „Knieperdackse“ (plattdeutsch von kniepen - kneifen abgeleitet, das mit einer hölzernen Zange erfolgt) für die Umherziehenden muss jüngeren Datums sein, denn im Mecklenburgischen Wörterbuch findet sich das Wort nicht. Allerdings gibt es den Ausdruck „Knapperdacks“ oder „Klapperdacks“ für eine zum Maskentyp der oben beschriebenen pommerschen Klapperböcke gehörende Gestalt der Rugklaas-Umzüge. Das mit einer Zugvorrichtung auf- und zuschnappende Maul eines an einer Stange getragenen künstlichen Tierkopfes klapperte, wenn der mit Hufnägeln beschlagene Unterkiefer angezogen wurde. Über das Umherziehen der Knieperdackse am Heiligen Abend im Müritzdorf Buchholz ist bereits 1880 folgender kurzer Bericht des Pastors Behm aus Melz überliefert: „In Buchholz kommen noch am heiligen Abend der ‚Rug Klas‘, ‚des heiligen Christ Vörposten‘, auf einem Schimmel reitend mit Aschenbeutel und Ruthe, die Kinder peitschend. Ihn begleitet der ‚Rumpsack‘, einen Ziegenbock leitend.“

Die Knieperdackse von Buchholz

Die Knieperdackse von Buchholz

Die „Knieperdackse“ am Heiligen Abend 1994 in Buchholz bei Röbel. V.l.n.r. Zange und Pietschenknaller, Knieperdacks, Zangenbuckführer mit Zägenbuck, Wiehnachtsmann, Schimmelrieder.

Traditionsgasthof „Zur den drei Linden“

Etwa zur Halbzeit - gegen 21 Uhr - kehren die Knieperdackse in die Traditionsgasthof „Zur den drei Linden“ ein, den der Inhaber Jürgen M. Ruprecht eigens für sie geöffnet hat.
Hier werden die Masken abgenommen und stärkt sich bei Bier, Koem und etwas zu essen, denn der Umzug durchs Dorf verlangt den Knieperdacksen Einiges an Kraft ab. Besonders schwer hat der Zägenbuck, der gebückt gehend durchs Dorf geführt wird. Die Brauchteilnehmer stammen auch heute nach Möglichkeit aus Buchholz, wenngleich sie nicht immer dort wohnen. So kamen 2016 Knieperdackse aus Dänemark und Hamburg angereist, um beim Umzug mitzumachen, was von ihrer Verbundenheit mit der Tradition und ihrem Heimatort zeugt.

Unter Bauern 1982

Der Dokumentarist und Filmemacher Dieter Schumann (Landeskulturpreisträger Mecklenburg-Vorpommers 2014) hat 1982 den weihnachtlichen Umzug der „Knieperdackse“ gefilmt und als Sequenz in seiner Dokumentation „Unter Bauern“ verwendet.

Stiftung Mecklenburg

Rugklaas - Kinnjes - Schimmelrieder
Herausgeber: Stiftung Mecklenburg, Schwerin 2017
Text: Henry Gawlick Hagenow